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Gasshuku im Ausland - Ein Reisebericht aus Tschechien

Sonntag, 12 Juli 2026

Im Juli nahm ich mit meinen beiden Söhnen am internationalen JKA Gasshuku in Kadaň (Tschechien) teil und kehrten mit vielen neuen Eindrücken und Trainingsimpulsen zurück.

Das Gasshuku in Tschechien war für mich eine tolle Mischung aus intensivem Training, internationaler Gemeinschaft und gelebter Karate-Tradition. Unter der Leitung der japanischen Senseis Naka Tatsuya (7. Dan), Okuma Koichiro (7. Dan) und Hirose Hikaru (4. Dan) konnten wir jeden Tag neue Aspekte des Karate kennenlernen. Jeder Sensei setzte dabei andere Schwerpunkte und vermittelte die Inhalte auf seine eigene Art. Genau diese Unterschiedlichkeit fand ich besonders spannend.

Eine Sache ist mir dabei direkt aufgefallen: Der Umgang mit Disziplin und Ordnung. Während wir es in Deutschland gewohnt sind, beim Aufstellen und Angrüßen sehr genau auf Reihen und Abstände zu achten, war es in Tschechien ganz anders. Jeder suchte sich seinen Platz, ohne dass erst lange Reihen ausgerichtet wurden – und trotzdem herrschte vom ersten Moment an eine unglaubliche Aufmerksamkeit und Konzentration.

Das Training begann pünktlich, und dann ging es los. Kein langes Warten, kein großes Sortieren. Jeder war gefordert, bei sich und beim Training zu sein. Für mich war das eine interessante Erfahrung, weil sie gezeigt hat, dass Disziplin nicht unbedingt durch äußere Ordnung entstehen muss. Sie kann genauso aus der eigenen Haltung und der Bereitschaft entstehen, sich voll auf das Training einzulassen.

Je länger ich Karate trainiere, desto mehr merke ich, wie viel ich noch nicht weiß und wie viel es immer wieder neu zu entdecken gibt. Genau das macht für mich den besonderen Reiz eines Gasshuku aus.
Man fährt nicht einfach hin, um ein paar neue Techniken zu lernen und anschließend wieder nach Hause zu fahren. Viel spannender ist es, den eigenen Blick auf das Karate zu verändern und Dinge plötzlich aus einer anderen Perspektive zu sehen.
Besonders beeindruckt haben mich dabei oft gar nicht die spektakulären Techniken, sondern die kleinen, scheinbar unscheinbaren Hinweise der Senseis: Die Hüfte bewusst schließen, gegenspielende Muskelketten aktivieren oder den Körper gezielt komprimieren. Dinge, die man vielleicht schon einmal gehört hat, die aber plötzlich eine ganz andere Bedeutung bekommen, wenn sie richtig erklärt und im eigenen Körper spürbar werden.

Und genau das war für mich einer der größten Aha-Momente des Gasshuku: Wenn eine kleine Veränderung in der Bewegung plötzlich dafür sorgt, dass ein Stand stabiler wird, eine Technik kraftvoller oder eine Bewegung effizienter. Man merkt unmittelbar, dass Karate eben nicht nur aus dem Erlernen von Techniken besteht. Es geht darum, den eigenen Körper immer besser zu verstehen und zu lernen, wie Bewegung wirklich funktioniert. Dass wir dabei nicht nur etwas gelernt, sondern auch ordentlich trainiert haben, war spätestens am übernächsten Morgen deutlich zu spüren. Der Muskelkater nach den ersten Trainingstagen war durchaus ein Zeichen dafür, dass wir uns auf etwas Neues eingelassen hatten. 

Besonders schön war für mich auch die Atmosphäre auf dem Gasshuku. Gemeinsam mit Karateka aus verschiedenen Ländern zu trainieren, dieselbe Begeisterung für Karate zu teilen und sich trotz unterschiedlicher Sprachen und Hintergründe sofort über das Training zu verbinden, ist etwas Besonderes.

Und natürlich war es für mich als Mutter ein tolles Erlebnis, diese Erfahrung gemeinsam mit meinen beiden Söhnen zu machen. Zusammen trainieren, gemeinsam an seine Grenzen gehen, sich gegenseitig motivieren und am Ende des Tages über das Erlebte sprechen – solche Momente bleiben.

Ich bin jedenfalls mit vielen neuen Eindrücken und Trainingsimpulsen nach Hause gefahren. Für mich hat das Gasshuku einmal mehr gezeigt, warum ich Karate so schätze: Man lernt nie aus. Es gibt immer wieder neue Details zu entdecken, neue Perspektiven einzunehmen und neue Grenzen zu überwinden.

Und genau deshalb freue ich mich schon auf das nächste Gasshuku.

Oss, Ina

 

Ein paar Eindrücke unserer Reise:

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